Nicht nur den Konflikt lösen: Was soll danach anders sein?
Wenn Menschen über Mediation nachdenken, steht häufig zuerst der Konflikt im Mittelpunkt.
Was ist passiert?
Wer hat was gesagt?
Wer hat wen verletzt?
Wer hat womit angefangen?
Und wer müsste sich eigentlich verändern?
Das ist verständlich. Denn ein Konflikt kann viel Aufmerksamkeit binden. Gedanken kreisen, Gespräche werden schwieriger, Begegnungen anstrengender und manchmal scheint es, als gäbe es nur noch die Wahl zwischen Nachgeben, Kämpfen oder Rückzug.
Doch vielleicht gibt es noch eine andere Frage:
Was soll durch die Mediation eigentlich anders werden?
Genau hier beginnt die Idee der wirkungsorientierten Mediation.
Was wäre anders, wenn der Konflikt nicht mehr Ihr Leben bestimmen würde?
Stellen Sie sich für einen Moment vor, der Konflikt wäre nicht einfach „gelöst“.
Stellen Sie sich stattdessen vor, es hätte sich tatsächlich etwas verändert.
Vielleicht könnten Sie wieder miteinander sprechen, ohne dass jedes Wort sofort als Angriff verstanden wird.
Vielleicht wären Entscheidungen wieder möglich.
Vielleicht könnten Sie bei der Arbeit wieder zusammenarbeiten, ohne ständig darüber nachzudenken, was die andere Person wohl als Nächstes tun wird.
Vielleicht könnten Sie als getrennte Eltern miteinander umgehen, ohne dass jede organisatorische Frage zum nächsten Streit führt.
Oder vielleicht würden Sie feststellen, dass eine gute Lösung gar nicht darin besteht, wieder Nähe herzustellen, sondern darin, klarer und respektvoller Abstand voneinander halten zu können.
Wirkung kann sehr unterschiedlich aussehen.
Deshalb geht es in einer wirkungsorientierten Mediation nicht darum, Ihnen vorzugeben, wie eine gute Lösung auszusehen hat.
Es geht darum herauszufinden:
Welche Wirkung wünschen Sie sich?
Von der Forderung zur gewünschten Wirkung
In Konflikten sprechen wir häufig darüber, was die andere Person tun soll.
„Er soll endlich …“
„Sie muss einsehen …“
„Ich möchte, dass er sich entschuldigt.“
„Sie soll aufhören …“
Hinter solchen Forderungen steckt meist etwas Wichtiges.
Doch manchmal lohnt es sich, noch eine Frage weiterzugehen:
Was würde sich für Sie verändern, wenn das tatsächlich geschieht?
Vielleicht lautet die Antwort:
„Dann könnte ich ihr wieder vertrauen.“
Oder:
„Dann hätte ich endlich Ruhe.“
Oder:
„Dann wüsste ich, dass meine Arbeit anerkannt wird.“
Oder:
„Dann könnten wir wieder Entscheidungen treffen.“
Damit verändert sich das Gespräch.
Denn plötzlich geht es nicht mehr ausschließlich um eine bestimmte Forderung.
Es geht um die Wirkung, die damit erreicht werden soll.
Und genau dadurch können neue Möglichkeiten entstehen.
Vielleicht gibt es mehr als einen Weg
Nehmen wir ein einfaches Beispiel.
Ein Mitarbeiter sagt:
„Mein Vorgesetzter muss sich bei mir entschuldigen.“
Die Entschuldigung scheint zunächst die Lösung zu sein.
Doch die Frage nach der gewünschten Wirkung könnte lauten:
„Was wäre durch die Entschuldigung für Sie anders?“
Vielleicht antwortet er:
„Ich möchte merken, dass er verstanden hat, was sein Verhalten bei mir ausgelöst hat.“
Damit öffnet sich der Blick.
Denn möglicherweise ist eine Entschuldigung ein Weg zu dieser Wirkung.
Vielleicht gibt es aber auch andere.
Ein klärendes Gespräch.
Eine konkrete Vereinbarung für die zukünftige Zusammenarbeit.
Eine Veränderung von Zuständigkeiten.
Eine Anerkennung dessen, was geschehen ist.
Oder etwas, an das bislang noch niemand gedacht hat.
Wirkungsorientierung erweitert damit den Lösungsraum.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Was wollen Sie?“
In einer Mediation können deshalb andere Fragen wichtig werden:
Was soll nach diesem Gespräch anders sein?
Woran würden Sie merken, dass die Mediation hilfreich war?
Welche Wirkung soll eine Vereinbarung auf Ihren Alltag haben?
Was soll dadurch leichter werden?
Was soll wieder möglich werden?
Und vielleicht auch:
Was möchten Sie gerade nicht mehr erleben?
Solche Fragen lenken den Blick weg von der Vergangenheit und zugleich nicht vorschnell auf irgendeine Lösung.
Sie richten ihn auf eine mögliche Zukunft.
Eine Vereinbarung ist noch keine Wirkung
Dieser Unterschied ist wichtig.
Zwei Menschen können beispielsweise vereinbaren:
„Wir führen jeden Montag um 9 Uhr ein gemeinsames Gespräch.“
Das ist zunächst eine Vereinbarung.
Doch wozu soll dieses Gespräch dienen?
Vielleicht soll es Missverständnisse reduzieren.
Vielleicht soll es dafür sorgen, dass Informationen früher ausgetauscht werden.
Vielleicht soll dadurch wieder mehr Verlässlichkeit entstehen.
Die eigentliche Frage lautet deshalb:
Erzeugt unsere Vereinbarung tatsächlich die Wirkung, die wir erreichen wollen?
Eine Lösung ist also nicht allein deshalb gut, weil beide ihr zugestimmt haben.
Sie sollte auch zu dem beitragen, was den Beteiligten tatsächlich wichtig ist.
Sie entscheiden, welche Veränderung für Sie sinnvoll ist
Als Mediator kenne ich Ihre Lösung nicht.
Und das muss ich auch nicht.
Denn Sie kennen Ihre Lebenssituation, Ihre Beziehungen, Ihre Organisation oder Ihre Familie sehr viel besser.
Meine Aufgabe besteht darin, einen Rahmen zu schaffen, in dem Sie klarer erkennen können:
Was belastet uns eigentlich?
Was ist uns wichtig?
Welche Veränderung wünschen wir uns?
Welche Möglichkeiten gibt es?
Und welche davon könnte die Wirkung entfalten, die wir erreichen möchten?
Manchmal entsteht dabei eine Lösung, die zu Beginn des Gesprächs noch niemand gesehen hat.
Vielleicht ist die erste Frage noch gar nicht: „Wie lösen wir das?“
Wenn ein Konflikt schon länger besteht, erscheint die Frage nach der Lösung manchmal riesig.
Dann kann eine kleinere Frage hilfreicher sein:
„Was wäre ein erstes Zeichen dafür, dass es in die richtige Richtung geht?“
Vielleicht wäre das bereits ein Gespräch ohne Vorwürfe.
Eine Entscheidung, die nicht weiter vertagt wird.
Eine verlässliche Absprache.
Ein besseres Verständnis dafür, warum die andere Person so reagiert.
Oder einfach das Gefühl:
Jetzt können wir wieder miteinander reden.
Genau dort kann Mediation beginnen.
Nicht mit der Erwartung, dass innerhalb weniger Minuten alles gelöst werden muss.
Sondern mit der Frage:
Welche Wirkung soll unser Gespräch haben?
Und vielleicht zeigt sich dann Schritt für Schritt ein Weg, der vorher noch nicht sichtbar war.
Möchten Sie herausfinden, was Mediation in Ihrem Konflikt bewirken könnte?
Wenn Sie sich in einem Konflikt befinden und noch nicht wissen, ob Mediation für Ihre Situation geeignet ist, können wir das zunächst ganz unverbindlich miteinander klären.
In einem kostenlosen Erstgespräch besprechen wir, worum es geht und ob Mediation für Sie ein sinnvoller nächster Schritt sein könnte.
Das Gespräch ist nach Ihrer Wahl persönlich in Saarbrücken, telefonisch oder per Videokonferenz möglich.
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Vielleicht müssen Sie heute noch nicht wissen, wie Ihr Konflikt gelöst werden kann.
Vielleicht reicht zunächst eine andere Frage:
Was soll danach anders sein?


