Unterschiede sind kein Störfall – sie sind der Anfang einer Lösung
„Wenn du die Sache so siehst, können wir eigentlich gar nicht weiterreden.“ Dieser Satz fällt in Konflikten häufiger, als man denkt. Dahinter steckt eine scheinbar selbstverständliche Annahme: Damit wir miteinander klarkommen, müssten wir die Dinge ähnlich sehen. Doch genau das ist oft nicht möglich. Und vielleicht ist es auch gar nicht nötig.
Menschen unterscheiden sich. Sie haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht, nehmen Situationen unterschiedlich wahr, bewerten sie anders und haben unterschiedliche Bedürfnisse, Interessen und Vorstellungen davon, wie etwas sein sollte. Nicht der Unterschied ist deshalb das Problem. Entscheidend ist, was wir aus ihm machen.
Konflikte entstehen nicht, weil Menschen verschieden sind
Stellen Sie sich zwei Kolleg:innen vor. Die eine möchte möglichst früh planen, Termine festlegen und Verantwortlichkeiten eindeutig verteilen. Das gibt ihr Sicherheit und ermöglicht ihr, zuverlässig zu arbeiten. Der andere möchte möglichst lange flexibel bleiben. Er empfindet zu frühe Festlegungen als hinderlich und möchte auf neue Entwicklungen reagieren können.
Wer hat recht?
Beide.
Und gleichzeitig keiner von beiden – jedenfalls dann nicht, wenn die Frage lautet, welche Arbeitsweise objektiv die richtige ist. Schwierig wird es erst, wenn aus dem Unterschied eine Bewertung der anderen Person entsteht:
„Du bist völlig unflexibel.“
„Und auf dich kann man sich nie verlassen.“
Plötzlich geht es nicht mehr um unterschiedliche Vorstellungen von Planung. Es geht um die Person. Aus einem Unterschied wird ein Gegensatz. Aus dem Gegensatz wird ein Gegeneinander.
Mediation versucht nicht, Unterschiede wegzumachen
Eine häufige Vorstellung von Konfliktlösung lautet: Am Ende müssen sich beide irgendwo in der Mitte treffen. Doch gute Mediation kann mehr. Sie muss Unterschiede nicht beseitigen. Sie kann helfen, sie sichtbar, verstehbar und schließlich nutzbar zu machen. Statt vorschnell zu fragen:
„Wer hat recht?“
kann eine andere Frage viel weiter führen:
„Was wird durch diesen Unterschied sichtbar?“
Vielleicht zeigt sich hinter dem Wunsch nach Planung ein Bedürfnis nach Verlässlichkeit. Hinter dem Wunsch nach Flexibilität vielleicht das Bedürfnis nach Handlungsspielraum. Damit verändert sich das Gespräch.
Aus „starr gegen chaotisch“ wird:
Verlässlichkeit und Flexibilität.
Und plötzlich kann die interessante Frage lauten:
Wie könnten wir beides ermöglichen?
Genau hier beginnt ein anderer Umgang mit Konflikten.
Unterschiede enthalten Informationen
In der Mediation können Unterschiede wie eine Art Informationsquelle betrachtet werden. Wenn zwei Menschen dieselbe Situation völlig unterschiedlich beschreiben, muss nicht sofort entschieden werden, welche Beschreibung stimmt. Viel spannender ist zunächst:
Was nimmt die eine Person wahr, was die andere nicht wahrnimmt?
Was ist ihr jeweils wichtig?
Welche Erfahrungen beeinflussen ihre Sichtweise?
Welche Befürchtungen spielen eine Rolle?
Welche Wünsche werden darin sichtbar?
Und was müsste die andere Seite verstehen, damit das bisher unverständliche Verhalten nachvollziehbarer wird?
So entsteht nach und nach etwas, das im Streit häufig verloren gegangen ist: Neugier auf die andere Perspektive.
Vom „Entweder-oder“ zum „Sowohl-als-auch“
Konflikte entwickeln häufig eine erstaunliche Sogwirkung. Je länger sie dauern, desto kleiner scheint die Welt zu werden:
Ich oder du.
Meine Lösung oder deine Lösung.
Nachgeben oder gewinnen.
Recht haben oder verlieren.
Mediation kann diesen Raum wieder erweitern. Vielleicht gibt es neben den beiden bekannten Möglichkeiten noch eine dritte. Vielleicht sogar eine vierte. Vielleicht lässt sich etwas miteinander verbinden, was zunächst unvereinbar erschien. Und manchmal entsteht eine Lösung, auf die keine der beteiligten Personen allein gekommen wäre.
Unterschiede werden dann nicht überwunden. Sie werden genutzt.
Die andere Sichtweise muss nicht übernommen werden
Das ist ein wichtiger Punkt. Verstehen bedeutet nicht zustimmen. Wer in einer Mediation nachvollziehen kann, warum die andere Person eine Situation anders erlebt, muss deshalb die eigene Sichtweise nicht aufgeben. Man kann sagen:
„Jetzt verstehe ich besser, wie du dahin kommst – auch wenn ich es weiterhin anders sehe.“
Dieser Satz kann in einem festgefahrenen Konflikt bereits eine erhebliche Veränderung bewirken. Denn plötzlich dürfen zwei Wirklichkeiten nebeneinander bestehen. Und genau dadurch kann wieder Bewegung entstehen.
Was wäre, wenn der Unterschied Teil der Lösung wäre?
Vielleicht gibt es auch in Ihrem Konflikt etwas, bei dem Sie denken:
„Da kommen wir niemals zusammen.“
Das muss nicht bedeuten, dass eine Verständigung unmöglich ist. Vielleicht wurde bisher nur versucht, den Unterschied zu beseitigen. Eine Mediation kann einen anderen Weg eröffnen:
Wir schauen uns den Unterschied genauer an.
Was steckt dahinter?
Was macht ihn für beide Seiten so bedeutsam?
Und wie könnte aus dem bisherigen Gegeneinander etwas entstehen, das den Bedürfnissen beider Seiten besser gerecht wird? Manchmal verändert sich ein Konflikt bereits in dem Moment, in dem nicht mehr gefragt wird:
„Wie werden wir diesen Unterschied endlich los?“
sondern:
„Was können wir mit diesem Unterschied anfangen?“
Vielleicht müssen Sie sich gar nicht einigen, wer recht hat
Sie dürfen unterschiedlich bleiben. Sie dürfen dieselbe Vergangenheit unterschiedlich erinnern. Sie dürfen verschiedene Bedürfnisse haben. Sie dürfen unterschiedliche Vorstellungen von einer guten Zukunft entwickeln.
Die entscheidende Frage ist nicht, ob diese Unterschiede verschwinden. Die Frage ist:
Können Sie einen Umgang damit finden, der Ihnen beiden wieder Handlungsmöglichkeiten eröffnet?
Dabei kann Mediation helfen.
Kostenloses und unverbindliches Erstgespräch
Wenn Sie sich gerade in einem Konflikt befinden und wissen möchten, ob eine Mediation für Ihre Situation hilfreich sein könnte, können Sie ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch vereinbaren – persönlich in Saarbrücken, telefonisch oder per Videokonferenz.
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Kostenloses Buch: „Vielleicht ist Dein Konflikt lösbar“
Wenn Sie zunächst mehr darüber erfahren möchten, wie Mediation neue Wege eröffnen kann, wenn Gespräche nicht mehr weiterführen, können Sie mein Buch „Vielleicht ist Dein Konflikt lösbar – Wie Mediation neue Wege eröffnet, wenn Gespräche nicht mehr weiterführen“ kostenlos herunterladen.
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Vielleicht muss der andere die Dinge nicht so sehen wie Sie. Vielleicht beginnt eine Lösung genau dort, wo Unterschiede nicht länger bekämpft, sondern verstanden und genutzt werden.


