Was Sie in einer Mediation spüren, bevor überhaupt eine Lösung gefunden ist
Vielleicht denken Sie bei Mediation zunächst an Methoden.
An Gesprächstechniken.
An Fragen.
An Regeln.
An einen strukturierten Ablauf.
All das spielt eine Rolle. Und doch entscheidet sich die Qualität einer Mediation oft an einer Stelle, die man zunächst kaum sehen kann:
an der Haltung der Mediatorin oder des Mediators.
Denn Menschen spüren ziemlich schnell, ob jemand sie verstehen will oder beurteilt. Ob jemand innerlich bereits eine Lösung im Kopf hat. Ob jemand eine Seite sympathischer findet. Ob jemand darauf wartet, dass man endlich „vernünftig“ wird. Und ebenso spürt man, wenn einem jemand mit echter Offenheit begegnet.
Sie müssen in der Mediation nicht beweisen, dass Sie recht haben
Konflikte verändern unseren Blick. Wir sehen plötzlich sehr deutlich, was der andere falsch gemacht hat. Wir erinnern uns an Sätze, Gesten und Situationen. Wir entwickeln Erklärungen dafür, warum der andere sich so verhält. Und natürlich wollen wir verstanden werden. Vielleicht möchten wir sogar, dass endlich einmal jemand sagt:
„Ja, Sie haben recht.“
Doch genau das ist nicht die Aufgabe von Mediator:innen. Eine mediative Haltung bedeutet nicht, darüber zu entscheiden, wer recht hat. Sie bedeutet vielmehr:
Ihre Sichtweise wird ernst genommen, ohne dass sie zur einzig möglichen Wahrheit erklärt werden muss.
Das ist ein entscheidender Unterschied.
Verstanden werden, ohne dass jemand Partei ergreift
Eine gute Mediatorin kann sagen:
„Wenn Sie die Situation so erlebt haben, kann ich nachvollziehen, warum Sie heute so reagieren.“
Damit wird nicht gesagt:
„Sie haben recht und der andere liegt falsch.“
Ihre Erfahrung wird gewürdigt. Und gleichzeitig bleibt Raum dafür, dass die andere Person dieselbe Situation vollkommen anders erlebt haben kann. Genau dieser Raum ist für Mediation wichtig. Denn solange ein Konflikt nur die Frage kennt
„Wer hat recht?“
gibt es meistens auch nur zwei Möglichkeiten:
Ich gewinne.
Oder du gewinnst.
Mediation versucht, einen größeren Raum entstehen zu lassen.
Was geschieht, wenn Sie sich nicht verteidigen müssen?
Etwas Interessantes.
Wenn Menschen merken, dass sie nicht sofort bewertet werden, verändert sich häufig das Gespräch.
Man muss weniger erklären.
Weniger rechtfertigen.
Weniger kämpfen.
Vielleicht kann man plötzlich genauer hinschauen.
Was hat mich eigentlich so verletzt?
Was war mir in dieser Situation wichtig?
Was habe ich damals gebraucht?
Was möchte ich für die Zukunft?
Und manchmal taucht dabei etwas auf, das im Streit lange verborgen war.
Hinter einem Vorwurf steckt vielleicht Enttäuschung.
Hinter Ärger steckt vielleicht der Wunsch nach Respekt.
Hinter Rückzug steckt vielleicht der Versuch, sich zu schützen.
Hinter einem erbitterten Streit um eine scheinbare Kleinigkeit steckt möglicherweise etwas, das für beide Seiten sehr bedeutsam ist.
Mediative Haltung verändert Gespräche
Mediator:innen arbeiten deshalb nicht nur mit Fragen und Methoden. Ihre Haltung wirkt mit. Wenn Ihnen zugetraut wird, selbst gute Entscheidungen treffen zu können, verändert das etwas. Wenn Ihre Wahrnehmung ernst genommen wird, verändert das etwas. Wenn Sie nicht auf Ihren Konflikt reduziert werden, verändert das etwas. Wenn niemand versucht, Sie zu überzeugen, verändert das etwas.
Und wenn Sie erleben, dass auch die andere Seite gehört werden darf, ohne dass dadurch Ihre eigene Erfahrung entwertet wird, kann etwas entstehen, das im Konflikt lange kaum noch möglich war:
Neugier aufeinander.
Nicht immer.
Nicht sofort.
Aber vielleicht ein kleines Stück.
Und manchmal reicht genau dieses kleine Stück, damit Bewegung entsteht.
Mediator:innen müssen Ihre Lösung nicht kennen
Vielleicht ist das einer der ungewöhnlichsten Gedanken der Mediation: Die Mediatorin muss nicht wissen, wie Ihr Konflikt gelöst werden sollte. Das mag zunächst irritieren. Von Fachleuten erwarten wir normalerweise Antworten. Doch in der Mediation liegt die Fachlichkeit gerade darin, nicht vorschnell die Antwort zu liefern.
Mediator:innen sind Fachleute für den Prozess. Sie helfen dabei, das Gespräch so zu gestalten, dass Sie wieder klarer sehen können.
Was ist eigentlich passiert?
Welche unterschiedlichen Bedeutungen geben Sie dem Geschehen?
Was ist Ihnen wichtig?
Was soll sich verändern?
Welche Möglichkeiten gibt es?
Welche davon passen wirklich zu Ihrem Leben?
Denn eine Lösung, die von außen vernünftig erscheint, muss für Sie noch lange keine gute Lösung sein.
Sie bleiben Expert:in für Ihr eigenes Leben
Eine mediative Haltung geht davon aus, dass Menschen grundsätzlich in der Lage sind, ihre Angelegenheiten selbst zu gestalten. Vielleicht gelingt das im Moment gerade nicht. Das ist bei einem festgefahrenen Konflikt nichts Ungewöhnliches. Der Blick wird enger. Gespräche wiederholen sich. Jeder neue Satz scheint nur zu bestätigen, was man ohnehin schon über den anderen denkt.
Mediation kann helfen, wieder Wahlmöglichkeiten wahrzunehmen. Nicht indem jemand Ihnen sagt, was Sie tun sollen. Sondern indem ein Gespräch entsteht, in dem wieder gedacht, gefragt, ausprobiert und manchmal auch neu verstanden werden kann.
Allparteilichkeit bedeutet mehr als Neutralität
Mediator:innen stehen nicht einfach emotionslos in der Mitte. Sie versuchen vielmehr, sich nacheinander auf die Wirklichkeit aller Beteiligten einzulassen. Wie sieht die Situation aus Ihrer Perspektive aus? Und wie aus der Perspektive der anderen Person? Was ist Ihnen wichtig? Und was ihr?
Dabei kann es durchaus sein, dass sich die Sichtweisen widersprechen. Das müssen sie nicht sofort ändern. Vielleicht können zunächst zwei unterschiedliche Wirklichkeiten nebeneinanderstehen. Denn Verständigung beginnt nicht zwangsläufig damit, dass man dieselbe Meinung hat. Manchmal beginnt sie damit, zu verstehen, warum der andere die Dinge anders sieht.
Und plötzlich verändert sich die Frage
Am Anfang einer Mediation lautet die innere Frage häufig:
„Wie bringe ich den anderen endlich dazu, einzusehen, dass ich recht habe?“
Im Laufe eines guten Mediationsprozesses kann daraus eine andere Frage werden:
„Was brauchen wir eigentlich, damit es weitergehen kann?“
Das klingt nach einer kleinen Veränderung. In Konflikten kann sie riesig sein. Denn damit verschiebt sich der Blick. Weg vom Kampf um die Vergangenheit. Hin zur Gestaltung der Zukunft.
Gute Mediation beginnt deshalb nicht mit der perfekten Methode
Sie beginnt mit einer Haltung.
Mit Respekt.
Mit Neugier.
Mit der Bereitschaft, Unterschiede auszuhalten.
Mit dem Vertrauen darauf, dass Menschen mehr Möglichkeiten haben, als ihnen mitten im Konflikt manchmal bewusst ist.
Und vielleicht auch mit einem Gedanken, der in vielen festgefahrenen Auseinandersetzungen überraschend entlastend sein kann:
Sie müssen heute noch nicht wissen, wie die Lösung aussieht.
Vielleicht reicht es zunächst, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen. Und manchmal beginnt genau dort etwas Neues.
Vielleicht möchten Sie einfach erst einmal darüber sprechen
Sie müssen sich nicht sofort für eine Mediation entscheiden. In einem kostenlosen Erstgespräch können wir zunächst gemeinsam schauen, worum es geht, ob Mediation für Ihre Situation geeignet sein könnte und wie ein möglicher nächster Schritt aussehen könnte.
Das Gespräch ist nach Wunsch persönlich in Saarbrücken, telefonisch oder per Videokonferenz möglich:
Wenn Sie sich zunächst in Ruhe mit Mediation beschäftigen möchten, können Sie außerdem mein kostenloses Buch herunterladen:
„Mediation: Manchmal beginnt die Lösung dort, wo das Rechthaben aufhört.“
Vielleicht muss ein Konflikt nicht genauso weitergehen, wie er bisher verlaufen ist.


