Aus Streit wächst Zukunft

Aus Streit wächst Zukunft

Wie aus gegensätzlichen Vorstellungen eine Lösung entstehen kann, die gemeinsam erfunden wird

Manchmal scheint ein Konflikt nur zwei Ausgänge zu haben: Entweder ich setze mich durch – oder der andere. Je länger wir streiten, desto enger wird dieser Blick. Wir erklären unsere Position, sammeln Argumente und fragen uns, warum unser Gegenüber einfach nicht versteht, was doch offensichtlich ist. Dabei bleibt oft etwas Entscheidendes verborgen: das, was uns unsere jeweilige Vorstellung so wichtig macht. Dort kann ein Gespräch beginnen, das neue Möglichkeiten eröffnet. Davon erzählt die Geschichte eines kleinen Hofes.

Der Hof zwischen den Häusern

Zwischen zwei alten Häusern lag ein kleiner Hof. Lange hatte dort nur gestanden, was anderswo keinen Platz mehr fand: ein rostiges Fahrrad, drei leere Kisten und ein Blumentopf, aus dem jedes Frühjahr beharrlich ein Büschel Gras wuchs. Eines Tages beschloss Mara, daraus einen Garten zu machen. Sie zog Tomatenpflanzen auf ihrer Fensterbank vor und zeichnete auf einem Blatt Papier ein großes Beet ein. Am selben Abend kam ihr Nachbar Joris mit vier Holzpfosten nach Hause. „Für ein Dach“, erklärte er. „Im Sommer kann man hier vor Hitze kaum sitzen.“

Mara sah auf die Pfosten. „Wenn du den Hof überdachst, wachsen meine Tomaten nicht.“ „Und wenn du alles vollpflanzt, bleibt kein Platz zum Leben.“ „Ein Garten ist doch etwas Lebendiges.“ „Unter einem Dach kann wenigstens ein Mensch sitzen.“

Von da an sprachen sie oft über den Hof. Allerdings immer lauter und mit immer weniger neuen Worten. Mara sagte „Sonne“, Joris sagte „Schatten“, und bald klang jedes dieser Wörter wie eine Anschuldigung. Schließlich spannten sie eine Schnur quer durch den Hof.

„Deine Hälfte“, sagte Mara.

„Deine Hälfte“, sagte Joris.

Doch der Schatten hielt sich nicht an die Schnur. Und als Mara ihre Gießkanne zwischen den Pfosten hindurchtragen musste, blieb sie hängen und verschüttete das Wasser. So saßen sie eines Abends jeder auf seiner Seite. Zwischen ihnen lag die nasse Erde. Nach einer Weile fragte Mara: „Warum willst du eigentlich unbedingt hier sitzen? Du hast doch einen Balkon.“ Joris drehte ein abgesplittertes Stück Holz zwischen den Fingern. „Meine Mutter kommt sonntags. Die Treppe schafft sie kaum noch. Früher haben wir immer draußen Kaffee getrunken.“

Mara schaute zu seiner Hintertür. Dort waren nur zwei flache Stufen. „Das wusste ich nicht.“ „Und du?“, fragte Joris. „Warum ausgerechnet Tomaten?“ Mara lächelte zum ersten Mal seit Tagen. „Mein Großvater hatte welche. Wenn man die Blätter berührt hat, rochen die Hände noch lange danach. Ich möchte morgens rausgehen und etwas wachsen sehen, um das ich mich kümmere.“ Joris beugte sich vor und strich über eines der kleinen Blätter.

Eine Zeit lang saßen sie still. Dann stand er auf und ging langsam durch den Hof. „Wo ist morgens die Sonne?“ Mara zeigte auf die Mauer neben dem Tor. „Und am Nachmittag?“ Sie zeigte auf die gegenüberliegende Seite. Joris holte einen alten Sack aus dem Schuppen und spannte ihn versuchsweise zwischen zwei Pfosten. Mara setzte sich darunter. „Zu niedrig“, sagte sie. Er hob ihn an. „So?“ „Besser. Aber das Beet wäre immer noch im Schatten.“ Sie rückten die Pfosten. Dann die Stühle. Dann wieder die Pfosten. Einmal fiel alles um, und sie mussten lachen, obwohl noch nichts gelöst war. 

In den folgenden Tagen entstand eine Konstruktion, die auf keinem ihrer ersten Pläne gestanden hatte: Ein Sonnensegel ließ sich über die Sitzecke ziehen und bei kühlem Wetter zurückrollen. An der sonnigen Mauer baute Joris schmale Pflanzkästen in verschiedenen Höhen. Mara zog duftende Kräuter für den Tisch und Tomaten, die an gespannten Seilen emporwachsen konnten.

Beim ersten Regen bemerkten sie, dass sich das Wasser in einer Ecke des Segels sammelte. „Da müssen wir noch einmal ran“, sagte Joris. Mara stellte ihre Gießkanne darunter. „Vielleicht können wir es hier auffangen.“

Am nächsten Sonntag saß Joris’ Mutter im Hof. Sie zupfte ein Blatt Minze ab, rieb es zwischen den Händen und fragte, wer von ihnen diesen schönen Platz entworfen habe. Mara sah zu Joris hinüber. „Am Anfang“, sagte sie, „hatte jeder von uns einen ziemlich fertigen Plan.“ Joris stellte einen dritten Stuhl an den Tisch. Die Schnur, die einmal den Hof geteilt hatte, hielt inzwischen die erste Tomatenpflanze.

Was hinter „Sonne“ und „Schatten“ steckt

Vielleicht hat auch Ihr Konflikt solche Wörter. Sie heißen dann „Ordnung“ und „Freiheit“, „Tempo“ und „Sorgfalt“, „Nähe“ und „Abstand“. Oder sie stecken in Sätzen wie: „So geht es nicht weiter.“ – „Ich lasse mir das nicht länger gefallen.“ Diese Sätze bringen etwas Wichtiges zum Ausdruck. Doch sie erzählen selten die ganze Geschichte. Hinter einer Forderung nach festen Absprachen kann der Wunsch stehen, sich wieder aufeinander verlassen zu können. Hinter dem Beharren auf Freiraum kann das Bedürfnis liegen, eigene Entscheidungen zu treffen und mit den eigenen Fähigkeiten anerkannt zu werden.

Mara konnte zunächst nur sehen, dass Joris ihren Pflanzen das Licht nehmen würde. Joris konnte nur sehen, dass Mara seinen Sitzplatz beanspruchte. Erst als sie voneinander erfuhren, was ihnen am Herzen lag, veränderte sich ihre Aufgabe: Nun konnten sie gemeinsam überlegen, wie der Hof beidem Raum geben könnte.

Das Verstehen machte ihre Unterschiede nutzbar.

Wie Mediation neue Möglichkeiten eröffnet

Im Alltag gelingt ein solches Gespräch manchmal aus eigener Kraft. Manchmal ist der Streit jedoch so festgefahren, dass schon eine neugierig gemeinte Frage wie ein Angriff klingt. Alte Verletzungen sprechen mit, und ein vertrauter Satz genügt, um die nächste Auseinandersetzung auszulösen. Hier kann Mediation helfen. Eine Mediatorin oder ein Mediator gestaltet und begleitet das Gespräch so, dass die Beteiligten ihre Sichtweisen ausdrücken und einander genauer verstehen können. Dabei geht es auch darum, herauszuarbeiten, was jede Seite für eine tragfähige Lösung braucht.

Sie dürfen dabei deutlich sein. Was Sie verletzt hat, was Ihnen wichtig ist und wo Ihre Grenzen liegen, hat seinen Platz. Zugleich entsteht die Gelegenheit, etwas über die andere Seite zu erfahren, das im bisherigen Streit kaum hörbar war. Auf dieser Grundlage lassen sich Möglichkeiten entwickeln und prüfen: Was könnte funktionieren? Was müsste dafür berücksichtigt werden? Woran würden wir im Alltag erkennen, dass unsere Vereinbarung trägt?

Die Entscheidung über eine Lösung bleibt bei Ihnen und den anderen Beteiligten. Die Mediation unterstützt Sie dabei, diese Entscheidung informiert, eigenverantwortlich und mit einem klareren Blick auf die Folgen zu treffen.

Gemeinsam geschaffene Lösungen können weiter reichen

Die Schnur quer durch den Hof war ein naheliegender Versuch: Jeder bekommt die Hälfte. Doch der Schatten wanderte weiter, und der Weg zur Gießkanne blieb beschwerlich. Solche Aufteilungen können durchaus sinnvoll sein. Mediation eröffnet darüber hinaus die Chance, genauer hinzusehen: Lässt sich die Situation anders gestalten? Welche Fähigkeiten, Ideen und Möglichkeiten bringen die Beteiligten mit? Was könnte entstehen, wenn diese zusammenkommen? Mara brachte ihr Wissen über Pflanzen ein. Joris konnte bauen. Aus beidem entstand ein Hof, den keiner von ihnen allein so geplant hätte. 

Auch in Familien, Nachbarschaften und Unternehmen können Lösungen auf diese Weise wachsen. Sie werden gemeinsam entwickelt, im Hinblick auf die unterschiedlichen Anliegen geprüft und so konkret vereinbart, dass sie sich im Alltag bewähren können. Eine Einigung ist dabei kein vorgegebenes Ergebnis. Entscheidend ist, dass die Beteiligten selbst beurteilen können, welchen Weg sie mittragen möchten.

Welcher erste Schritt ist in Ihrem Konflikt möglich?

Vielleicht wissen Sie bereits sehr genau, was sich verändern soll. Vielleicht wünschen Sie sich zunächst, einmal in Ruhe gehört zu werden. Oder Sie fragen sich, ob mit Ihrem Gegenüber überhaupt noch ein konstruktives Gespräch möglich ist.

Das können wir gemeinsam anschauen. Für ein erstes Gespräch brauchen Sie weder einen fertigen Lösungsvorschlag noch die Gewissheit, dass die andere Seite schon zur Mediation bereit ist.

Vereinbaren Sie ein kostenloses Erstgespräch – persönlich in Saarbrücken, telefonisch oder per Videokonferenz. Wir besprechen Ihre Situation und klären, ob und wie Mediation Ihnen weiterhelfen kann.

Hier können Sie Ihren Termin selbst buchen.

Vielleicht beginnt Ihre Lösung mit einem Gespräch darüber, was Ihnen beiden wirklich wichtig ist

Gerfried Braune

Assessor jur. & zertifizierter Mediator Ringstr, 49, 66130 Saarbrücken, Telefon +49 6893 986047 Fax +49 6893 986049, Mobil +49 151 40 77 6556

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