Warum Mediation hilft, festgefahrene Konfliktmuster zu verändern

Warum Mediation hilft, festgefahrene Konfliktmuster zu verändern

Warum Mediation hilft, festgefahrene Konfliktmuster zu verändern
(Was das Hebbsche Gesetz mit Konflikten zu tun hat)

Konflikte fühlen sich oft an wie eine kaputte Schallplatte: Die gleichen Vorwürfe, die gleichen Reaktionen, die gleichen Gefühle — immer wieder. Viele Menschen erleben das in Partnerschaften, im Team oder in der Familie. Man nimmt sich vor, „diesmal anders zu reagieren“, und doch passiert es wieder. Warum ist das so?

Eine Erklärung liefert ein einfaches Prinzip aus der Gehirnforschung: das Hebbsche Gesetz.

Unser Gehirn lernt auch Konflikte

Das Hebbsche Gesetz besagt vereinfacht:

Was häufig gemeinsam erlebt wird, verbindet sich im Gehirn.

Oder noch einfacher: Wiederholung schafft Gewohnheit — auch im Konflikt.

Wenn Streit über längere Zeit immer ähnlich abläuft, entstehen automatische Muster. Zum Beispiel:

  • Ein bestimmter Tonfall → sofortige Verteidigung
  • Ein Thema → Ärger oder Rückzug
  • Eine Kritik → Gefühl von Kränkung
  • Schweigen → Angst oder Wut

Das passiert meist unbewusst und sehr schnell. Das Gehirn reagiert auf Basis früherer Erfahrungen, noch bevor wir bewusst nachdenken können. Deshalb eskalieren Konflikte oft schneller, als die Beteiligten eigentlich möchten.

Konflikte sind gelernte Interaktionsmuster

In vielen festgefahrenen Konflikten haben sich über die Zeit stabile Reaktionsketten gebildet: Vorwurf → Rechtfertigung → Gegenangriff → Rückzug → neuer Vorwurf. Diese Muster sind nicht böse gemeint. Sie sind gelernt — und genau deshalb so stabil. Viele Menschen versuchen, Konflikte zu lösen, indem sie stärker argumentieren, nachgeben oder Diskussionen vermeiden. Das verändert jedoch selten das zugrunde liegende Muster.

Hier setzt Mediation an.

Mediation schafft neue Erfahrungen

In einer Mediation passiert etwas Entscheidendes: Die Beteiligten machen neue gemeinsame Erfahrungen im Umgang miteinander.

Zum Beispiel:

  • Eine Person spricht aus, ohne unterbrochen zu werden.
  • Die andere hört zu und fasst zusammen.
  • Gefühle und Bedürfnisse werden verständlich.
  • Missverständnisse werden sichtbar.
  • Lösungen werden gemeinsam entwickelt.

Solche Erfahrungen wirken oft überraschend. Viele Mediand:innen sagen sinngemäß: „So haben wir noch nie miteinander gesprochen.“

Aus Sicht des Hebbschen Gesetzes bedeutet das:
Neue Verbindungen entstehen.

Konfliktthemen werden nicht mehr automatisch mit Angriff oder Verteidigung verbunden, sondern können mit Zuhören, Verständnis und Zusammenarbeit verknüpft werden.

Warum Mediation Zeit braucht

Manchmal sind Menschen irritiert, dass in der Mediation nicht sofort Lösungen gesucht werden. Doch genau dieser Prozess ist wichtig. Neue Muster entstehen nicht durch gute Ratschläge, sondern durch gemeinsame Erfahrung.

Deshalb:

  • wird strukturiert vorgegangen,
  • wird viel geklärt und verstanden,
  • und werden kleine Schritte möglich gemacht.

Das ist kein Umweg — es ist der Weg zu tragfähigen Lösungen.

Mediation bedeutet Umlernen

Man könnte sagen: 

Konflikte sind eingeübte Reaktionen.
Mediation ist ein Raum, in dem neue Reaktionen geübt werden können.

Oder noch einfacher:

Mediation hilft nicht nur, Lösungen zu finden —
sie hilft, anders miteinander umzugehen.

Und genau das macht Lösungen langfristig stabil. Wenn Sie gerade in einem festgefahrenen Konflikt stecken, kann Mediation helfen, diese Muster zu durchbrechen und neue Wege der Verständigung zu entwickeln. Ein erstes Gespräch ist oft der wichtigste Schritt.

Gerfried Braune

Assessor jur. & zertifizierter Mediator Ringstr, 49, 66130 Saarbrücken, Telefon +49 6893 986047 Fax +49 6893 986049, Mobil +49 151 40 77 6556

Kommentar verfassen

WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner