Mitten im Gefühl – oder mit Abstand draufschauen?
Wie Mediation hilft, zwischen assoziiert und dissoziiert zu wechseln
Wer in einen Konflikt gerät, kennt beides:
Manchmal steckt man voll drin – im Ärger, in der Enttäuschung, im inneren „Das-kann-doch-nicht-wahr-sein!“. Und manchmal gelingt ein Schritt zurück – man schaut auf die Situation wie von außen und denkt: „Okay … so sieht das also aus.“
In der Mediation spielen genau diese beiden Erlebensweisen eine zentrale Rolle. Sie heißen etwas sperrig assoziiert und dissoziiert – lassen sich aber ganz alltagsnah erklären.
Assoziiert: Wenn der Konflikt unter die Haut geht
Assoziiert bedeutet:
Sie erleben den Konflikt aus Ihrer eigenen Perspektive – mit allen Gefühlen, Gedanken und Körperreaktionen.
Typisch ist dann:
- Ärger, Wut, Kränkung oder Hilflosigkeit sind stark spürbar
- Die Situation fühlt sich „ganz real“ und präsent an
- Argumente der anderen Seite erreichen Sie kaum
- Es geht ums Erleben, nicht ums Analysieren
👉 Der Vorteil:
Assoziiert zu sein ist nichts Schlechtes – im Gegenteil. Ihre Gefühle zeigen, dass Ihnen etwas wichtig ist. Sie machen deutlich, wo Grenzen verletzt wurden und was auf dem Spiel steht.
👉 Der Nachteil:
Wenn man zu sehr „drinsteckt“, wird der Blick eng:
- Missverständnisse verstärken sich
- Lösungen erscheinen unmöglich
- Gespräche drehen sich im Kreis
Viele Konflikte eskalieren genau hier.
Dissoziiert: Wenn Abstand Klarheit schafft
Dissoziiert heißt:
Sie betrachten die Situation mit innerem Abstand, fast wie eine Beobachterin oder ein Beobachter.
Das zeigt sich so:
- Gefühle sind ruhiger oder leiser
- Sie sehen Zusammenhänge klarer
- Auch das Verhalten der anderen Person wird verständlicher
- Neue Gedanken und Optionen tauchen auf
👉 Der Vorteil:
Dissoziation schafft Übersicht. Sie können reflektieren, sortieren und bewerten, ohne sofort emotional zu reagieren.
👉 Der Nachteil:
Zu viel Abstand kann auch problematisch sein:
- Eigene Gefühle werden „weggeredet“
- Bedürfnisse bleiben unausgesprochen
- Das Gespräch wirkt kühl oder oberflächlich
Ohne Kontakt zu den eigenen Emotionen fehlt oft die eigentliche Konfliktenergie.
Mediation: Der kluge Wechsel zwischen Nähe und Abstand
Gute Mediation entscheidet sich nicht für das eine oder das andere. Sie nutzt beides – zur richtigen Zeit.
1. Raum für assoziiertes Erleben
Zu Beginn einer Mediation dürfen und sollen Gefühle da sein:
- Was hat Sie verletzt?
- Was ärgert Sie bis heute?
- Warum ist dieser Konflikt für Sie so bedeutsam?
Das schafft:
- Entlastung
- Gesehen- und Gehörtwerden
- Verständnis für die innere Logik des Konflikts
2. Sanfter Wechsel in die Beobachterperspektive
Im weiteren Verlauf hilft die Mediation, Abstand zu gewinnen:
- „Wenn Sie sich die Situation von außen anschauen – was fällt Ihnen auf?“
- „Wie könnte das auf die andere Seite gewirkt haben?“
- „Was war vielleicht ein Missverständnis?“
So entsteht:
- neue Klarheit
- mehr Handlungsfreiheit
- ein lösungsorientierter Blick
Warum das für Sie als Mediand:in so wichtig ist
Viele Menschen kommen in die Mediation mit der Sorge:
„Ich bin viel zu emotional für ein vernünftiges Gespräch.“
Die gute Nachricht:
Emotionen sind kein Hindernis – sie sind der Ausgangspunkt.
Mediation sorgt dafür, dass:
- Gefühle ernst genommen werden (assoziiert)
- ohne dass sie das Gespräch blockieren
- und dass Abstand entsteht (dissoziiert),
- ohne dass Ihre Anliegen untergehen
Oder anders gesagt:
Erst fühlen – dann verstehen – dann lösen.
Fazit: Nähe UND Abstand statt Entweder-oder
Konflikte brauchen beides:
- Nähe, um zu spüren, worum es wirklich geht
- Abstand, um neue Wege zu sehen
Mediation ist genau dafür da, diesen Wechsel zu ermöglichen – sicher, strukturiert und respektvoll.
Wenn Sie merken, dass Sie in einem Konflikt feststecken, lohnt sich der Blick von außen.
Nicht, um Gefühle zu verdrängen – sondern um wieder handlungsfähig zu werden.
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