Machtungleichgewicht in Konflikten – wie Mediation fairen Ausgleich schafft

Machtungleichgewicht in Konflikten – wie Mediation fairen Ausgleich schafft

In vielen Konflikten haben Menschen das Gefühl:
„Die andere Seite sitzt am längeren Hebel.“
Vielleicht geht es um eine Vorgesetzte, einen wirtschaftlich stärkeren Vertragspartner, den Ex-Partner mit mehr Einfluss oder eine Person, die sprachlich überlegen wirkt.

Eine häufige Frage lautet deshalb:
👉 Kann Mediation auch funktionieren, wenn die Macht ungleich verteilt ist?

Die klare Antwort: Ja – wenn professionell damit umgegangen wird.


Was bedeutet Macht in einem Konflikt?

Macht zeigt sich nicht nur in Titeln oder Hierarchien. Sie kann ganz unterschiedliche Formen haben:

  • jemand entscheidet über Geld, Arbeit oder Zukunft

  • jemand kennt sich rechtlich oder fachlich besser aus

  • jemand tritt selbstsicher, laut oder rhetorisch stark auf

  • jemand ist emotional unabhängiger

  • jemand sitzt „strukturell“ am längeren Hebel (Organisation, Rolle, Netzwerk)

Oft wirken diese Unterschiede leise und unterschwellig – und genau deshalb belasten sie Gespräche besonders stark.


Warum Machtungleichgewichte Gespräche blockieren

Wenn Macht unausgesprochen bleibt, entstehen typische Probleme:

  • Eine Seite traut sich nicht, offen zu sprechen

  • Bedürfnisse werden zurückgehalten

  • Entscheidungen werden aus Angst getroffen

  • Gespräche wirken „freiwillig“, sind es aber faktisch nicht

Viele Menschen erleben dann Gespräche als unfair – selbst wenn formal alle am Tisch sitzen.


Wie Mediation mit Machtunterschieden umgeht

Professionelle Mediation bedeutet nicht, so zu tun, als wären alle gleich mächtig.
Sie bedeutet, für faire Bedingungen im Gespräch zu sorgen.

1. Macht wird ernst genommen – nicht ignoriert

Mediator:innen achten bewusst auf Ungleichgewichte und behalten sie im Blick. Das schafft Sicherheit – besonders für die schwächere Seite.

2. Fairness statt „Gleichbehandlung“

Manchmal braucht eine Partei mehr Unterstützung, mehr Struktur oder mehr Zeit. Ziel ist nicht Gleichheit, sondern echte Beteiligung auf Augenhöhe.

3. Klare Regeln geben Halt

Gesprächsregeln, feste Redezeiten und ein strukturierter Ablauf verhindern Dominanz und schaffen Orientierung.

4. Visualisierung nimmt Druck aus dem Gespräch

Themen, Interessen und Lösungen werden sichtbar festgehalten. Das verschiebt Macht vom Reden hin zum gemeinsamen Arbeiten.

5. Einzelgespräche als Schutzraum

Wenn nötig, können vertrauliche Einzelgespräche helfen, Gedanken oder Sorgen zu klären, die offen noch nicht ausgesprochen werden können.


Wann Mediation nicht der richtige Weg ist

So ehrlich muss man sein:
Mediation hat Grenzen.

Sie ist nicht geeignet, wenn:

  • eine Person massiv unter Druck steht oder bedroht wird

  • echte Freiwilligkeit fehlt

  • eine Partei faktisch keine Wahl hat

In solchen Fällen ist es verantwortungsvoll, andere Wege zu gehen.


Was Mediation trotzdem möglich macht

Mediation kann Macht nicht aufheben –
aber sie kann sie sichtbar machen, ausgleichen und besprechbar machen.

Viele Mediand:innen berichten nach einer Mediation:

„Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, wirklich gehört zu werden.“


Fazit: Auch bei ungleichen Machtverhältnissen lohnt sich Mediation

Wenn Sie Sorge haben, im Konflikt „unterlegen“ zu sein, ist Mediation oft gerade der richtige Ort, um fair, strukturiert und respektvoll miteinander ins Gespräch zu kommen.

Eine gute Mediation schützt:

  • Ihre Selbstbestimmung

  • Ihre Würde

  • Ihre Entscheidungsfreiheit


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Gerfried Braune

Assessor jur. & zertifizierter Mediator Ringstr, 49, 66130 Saarbrücken, Telefon +49 6893 986047 Fax +49 6893 986049, Mobil +49 151 40 77 6556

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